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Hamburger Stadtteile – Eppendorf

11 Apr

In Eppendorf lässt es sich leben. So oder so ähnlich denken viele Hamburger, denn Eppendorf ist eine der am stärksten nachgefragten Wohngegenden der Stadt. Gründe gibt es hierfür zahlreiche. Eppendorf ist bekannt für seine individuellen Einzelhändler, vielfältige Gastronomieszene und wunderbare gründerzeitliche Wohnquartiere. Hinzu kommt, dass Eppendorf an die Alster und den Isebekkanal grenzt und somit Wasser ein bestimmendes Element für den Stadtteil ist. Der Hayns-Park steht hierfür mit seinen Brücken, Aussichtsterrassen und dem Monopteros sinnbildlich.

Hamburgs ältestes Dorf

Schon der Name Eppendorf geht wahrscheinlich zurück auf den Begriff „epen“ was so viel wie „am Wasser gelegen“ bedeutet. Das Dorf am Wasser, genauer am Alsterlauf, ist auch das älteste Dorf, das heute Bestandteil des Hamburger Stadtgebietes ist. Eppendorf war, anders als das direkte Umland der heutigen Hamburger Altstadt, schon seit dem 13. Jahrhundert besiedelt. Es entwickelte sich aber erst im späten 19. Jahrhundert zu dem Stadtteil, den man noch heute erleben kann.

Den Aufbruch in die heutige Zeit könnte man für Eppendorf mit der Flucht der reichen Hamburger Kaufleute aus der überfüllten und stickigen Hamburger Innenstadt ab dem 18. Jahrhundert definieren.

Hamburger Kaufleute siedelten sich mit Ihren Sommerhäusern rund um das bestehende Dorf an, um nicht in der Innenstadt den immer wieder ausbrechenden Krankheiten und Epidemien ausgesetzt zu sein. Eine der wenigen erhaltenen Landhäuser ist das Willsche Palais in der Ludolfstraße (gebaut um 1700). Auch der Kellinghusenpark existiert heute nur, weil dort das Sommerhaus mit Parkanlage des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters Heinrich Kellinghusen stand.

Im Zeichen der Gesundheit – Eppendorf entwickelt sich

Die sogenannte Sommerfrische war ein fester Bestandteil im Jahresablauf des Großbürgertums. Jedoch hatten nicht alle wohlhabenden Hamburger ein eigenes Landhaus, um sich dort von den Lebensbedingungen der Innenstadt zu erholen. 1825 eröffnete an der heutigen Eppendorfer Landstraße der Andreasbrunnen. Eine Einrichtung, die in Hamburg einige Beliebtheit genoss. Hier war es möglich heilendes Mineralwasser zu trinken und einige Zeit für eine Kur zu bleiben. Durch Einrichtungen dieser Art entwickelte Eppendorf einen gewissen Ruf bei den Bewohnern Hamburgs. Gewissermaßen in dieser Tradition wurde 1914 das heute noch bestehende Holthusenbad eröffnet, dass 1927 sogar das erste beheizbare Außenbecken Europas erhielt.

Wesentlich verstärkte sich das Ansehen Eppendorfs durch ein für den Stadtteil bis heute prägendes Ereignis. 1880 wurde das Allgemeine Krankenhaus Eppendorf eröffnet. Die einzigen Spitäler waren bis zu diesem Zeitpunkt in der Innenstadt gelegen. Die bis dahin größte Einrichtung in St. Georg platzte förmlich aus allen Nähten. Zudem waren Krankenhäuser zu dieser Zeit nur zu einem gewissen Grad lebensrettend. Häufig konnten sie äußerst gefährlich für die Gesundheit der Patienten sein. In den zumeist geschlossenen, engen Gebäuden entwickelten sich Krankheitserreger prächtig und Verunreinigungen waren an der Tagesordnung. Häufig starben Patienten nicht an der Folge der Krankheit, mit der sie in das Krankenhaus gekommen waren, sondern an dem, womit sie sich im Krankenhaus angesteckt hatten oder infiziert worden waren.

Die medizinische Forschung gegen Ende des 19. Jahrhunderts war zu der Erkenntnis gelangt, dass eine Krankheitsübertragung durch schlechte Luft in den Krankenlagern zustande kommt. Der aktuellste Ansatz, um die Gesundheit der Patienten zu fördern, war die Bauform eines Krankenhauses radikal zu ändern. Ideal erschien es das Krankenhaus in viele kleine Pavillons zu unterteilen und die Erkrankten voneinander zu trennen und durch die Luft zwischen den Pavillons eine Ansteckung zu vermeiden. Dies brachte eine erhebliche Verbesserung der Zustände mit sich. Zahlreiche andere Krankenhäuser wurden nach diesem Vorbild errichtet, so etwa auch das Krankenhaus am Steinhof in Wien.

Das Krankenhaus in Eppendorf wurde nach modernsten Erkenntnissen angelegt und war bei seiner Fertigstellung eines der größten Krankenhäuser seiner Art. Teile davon sind heute noch erhalten, wie etwa das alte Hauptgebäude, was repräsentativ vor dem Eppendorfer Park im klassizistischen Stil errichtet wurde.

Unmittelbar neben dem Krankenhaus entwickelte sich ein nahezu ebenbürtiger Komplex. Das Eppendorfer Stiftsviertel ist ein einzigartiges Zeugnis aus der Zeit, als das Thema Altersvorsorge und Pflege noch nicht durch die Gesellschaft getragen wurde. Reiche Hamburger Kaufleute stifteten hier Altersruhesitze für Personen, die aufgrund Ihres Alters verarmt waren. Zumeist waren hier Witwen von Hamburger Kaufleuten untergebracht, die nach den Tod Ihres Mannes keinerlei Einkommen hatten. Aber auch andere Berechtigte konnten, nach dem jeweiligen Willen der Stifter, hier ihren Lebensabend verbringen.

Diese stark auf den Gesundheitsaspekt fokussierte Entwicklung des Stadtteils hat bis heute Auswirkungen. Nicht nur ist aus dem Allgemeinen Krankenhaus das heutige Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) hervorgegangen, auch die Dichte der Ärzte in diesem Stadtteil ist außergewöhnlich hoch und die medizinische Versorgung hervorragend.

Wohnen, Leben, Eppendorf! 

Das Eppendorf heute als Wohnort so beliebt ist, liegt aber nicht ausschließlich an der guten medizinischen Versorgung. Vielmehr ist Eppendorf durch seinen nahezu geschlossene Altbaubestand aus der Gründerzeit und den 20/30er Jahren bei Mietern und Eigentümern begehrt. Großzügiges Wohnen wird in diesem Stadtteil mit einer immensen Vielfalt an Kulinarischem und Einzelhandel abgerundet. Gleich drei Straßen stehen in Eppendorf für individuellen und abwechslungsreichen Einkaufsbummel – die Erikastraße in Norden, der Eppendorfer Baum im Süden und die Eppendorfer Landstraße, die die beiden anderen miteinander verbindet. Überregional beliebt sind auch die Feste, die in der Erikastraße und der Eppendorfer Landstraße jährlich mehrere Tage stattfinden und hervorragend besucht sind.

Apropos Eppendorfer Baum. Dieser hat nichts mit Botanik zu tun. Hier stand vormals ein Zollhäuschen mit Schlagbaum, dass die Grenze nach Eppendorf markierte: der Eppendorfer Baum.

Ein Wehrmutstropfen ist der infrastrukturell unbefriedigende Zustand im Bereich des Eppendorfer Marktplatzes. Dieser wird durch verschiedene Verkehrsachsen völlig zerschnitten und bietet keinerlei Aufenthaltsqualität. Dies soll künftig behoben werden um die Lebensqualität in diesem Stadtteil noch zu erhöhen. Zudem laufen die Planungen für einen autofreien Abschnitt an der Eppendorfer Landstraße. Eppendorf dürfte mit diesen Visionen für die Zukunft somit bestens aufgestellt sein.

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