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Hamburger Stadtteile – Harvestehude

09 Apr

Der Stadtteil Harvestehude wird durch den Isebekkanal und die Alster malerisch umschlossen und manifestiert schon hierdurch seine exklusive Stellung innerhalb der Hamburger Quartiere. Harvestehude steht stellvertretend für Ruhe und Exklusivität in zentraler Lage zwischen Winterhude, Eppendorf und Rotherbaum. Kurzum einer der gefragtesten Lagen Hamburgs, in der es viel zu entdecken gibt.

Vom Kloster zum Wohnquartier 

Vor der flächendeckenden Bebauung von Harvestehude standen hier vereinzelt Landhäuser Hamburger Kaufleute, die an einigen Stellen noch erhalten geblieben sind. Ein besonders schönes Beispiel ist das Theater im Zimmer in der Alsterchaussee (erbaut ca. 1829), das durch seine klar gegliederte klassizistische Fassade einen treffenden Eindruck des ländlichen Wohnens abseits der Großstadt vermittelt.

Ursprünglich reichte das auf dem heutigen Harvestehude angesiedelte mittelalterliche Klosterareal „Herwardshude“ bis zur Hallerstraße und markiert somit den Endpunkt des Stadtteils. Das Kloster selbst wurde aufgegeben und im 19. Jahrhundert ging das Areal an die Stadt Hamburg. Diese verkaufte es dann an eine private Gesellschaft, die hier Infrastruktur schaffen wollte, um ein hochwertiges Stadtviertel zu errichten. Nach dem Wegfall der Torsperre in den 1860er Jahren war der Weg für die Besiedlung des Hamburger Nordens frei und die Straßenzüge wurden bis in die 1870er Jahre angelegt. Sie sind zum großen Teil noch heute so erhalten. Unverkennbar ist dies am Schachbrettmuster der rechteckig verlaufenden Straßen von Hallerstraße bis hinauf zum Klosterstern.

Die entstandenen Bauplätze wurden an reiche Hamburger verkauft, die hier sukzessive Ihre Wohnsitze errichten ließen. Das Quartier wurde bis zum Beginn des ersten Weltkriegs nahezu lückenlos bebaut, sodass heute das einzigartige, geschlossene Altbauflair des Historismus und des Jugendstils in den Straßenzügen erlebbar ist. An der Alster entstanden große freistehende Villen und im weiteren Teil zumeist exklusive Reihenvillen. Im äußersten Nordwesten des Stadtteils, der Isestraße, wurden um 1907 hochherrschaftliche Mehrfamilienhäuser mit fünf Geschossen realisiert. An dieser breiten, durch das damals hochmoderne Hochbahnviadukt gekennzeichneten Straße, waren Wohnungen ab 200m² Wohnfläche der gängige Standard.

Bauprojekte die den Unterschied ausmachen

Nicht nur die Verwirklichung der Hochbahnstrecke der heutigen U3 im Jahr 1912 prägen den nördlichen Teil von Harvestehude.  Auch die U1, damals noch Kell-Jung-Linie wurde von der Kellinghusenstraße bis zum Jungfernstieg als schnelle Innenstadtverbindung in den 1920er Jahren errichtet. Hier ist der U-Bahnhof Klosterstern als einziger Bahnhof der Hamburger Hochbahn noch im nahezu unveränderten Vorkriegszustand und gibt einen hervorragenden Einblick in den Zeitgeschmack und das Design der späten 1920er Jahre.

Nach dem zweiten Weltkrieg war Harvestehude weitestgehend von Zerstörungen verschont geblieben. Lediglich der Straßenzug zwischen Brahmsalle und Grindelberg war fast vollständig durch Bombentreffer vernichtet worden, da hier eine Haupteinflugschneise der britischen Bomber war. Dieses Areal sollte nach dem Willen der britischen Militärverwaltung nach 1945 zu Wohnquartieren für die Familien der Besatzungssoldaten werden. Nachdem dieser Plan hinfällig wurde, entschied der Senat jedoch, das Projekt trotzdem umzusetzen und die erste Hochhaussiedlung Deutschlands bis in das Jahr 1956 fertigzustellen. Die Planungen sahen vor, zwölf Hochäuser mit bis zu 15 Stockwerken zu errichten, die gegeneinander verschoben auf dem Areal platziert wurden. Ausgestattet mit allem Komfort für den sozialen Wohnungsbau wie Aufzüge und Müllschluckern boten die Grindelhochhäuser Platz für ca. 5.400 Bewohner. Gleichzeitig waren sie mit Ihrer Anknüpfung an die Formensprache des Neuen Bauens der 1920er Jahre das genaue Gegenteil der Architektur der 1930/40er Jahre. Ein klares Statement gegen die NS-Ideologie und ein Aufbruch in die Moderne, die die Nachkriegsarchitektur entscheidend prägen sollte.

Heutzutage, geografisch auf der anderen Seite des Stadtteils gesehen, besticht Harvestehude mit Bauprojekten, die an Luxus und Komfort in Hamburg Ihresgleichen suchen. Die Sophienterrassen stehen sinnbildlich für Wohnen in bester Lage direkt an der Alster mit höchstem Anspruch. Die Wohnungen, die hier entstanden sind, kosteten wohl bis zu 14.000 EUR/m² und das jüngst fertiggestellte Sophienpalais – ein Umbau der ehemaligen NS-Standortkommandantur – wurde zum Teil von Karl Lagerfeld eingerichtet.

So ist Harvestehude in seiner noch relativ jungen Bebauungsgeschichte mit vielfältigen Projekten immer am Puls der Zeit und bietet seinen Bewohnern besten Wohnkomfort verbunden mit einem herausragenden Ambiente.

Mehr als nur eine schicke Wohnadresse

Harvestehude bietet mehr. Neben der prägenden Nutzung durch Wohnbebauung ist das Quartier durchsetzt mit anderen wegwesenden Einrichtungen. So hat der NDR mitten im Stadtteil seine Verwaltungszentrale mit zahlreichen Produktionen. Das größte Tennisturnier Deutschlands im Stadion am Rothenbaum (Anders als der Name glauben machen will, liegt es in Harvestehude) findet alljährlich hier statt, zudem hat sich im selben Stadion auch der Beachvolleyball etabliert und zieht die Hamburger in Scharen an.

Kulturell bietet Harvestehude mit dem liebevoll von seinen Eigentümern sanierten Theater im Zimmer, dem Logensaal am Mittelweg und dem Theaterschiff am Kaiser-Friedrich-Ufer fein ausgewählte und oftmals tiefgründige Unterhaltung. Das Holi-Kino nahe der U-Bahn Hoheluftbrücke ist eines der ältesten Premierenkinos in Hamburg und heute noch teilweise wie zur Eröffnung zu Beginn der 1950er Jahre erhalten. Hier kann man noch abseits der ausgetretenen cineastischen Pfade ausgewählte Filme in nostalgischem Ambiente genießen.

Neben diesen weithin bekannten kulturellen Lichtpunkten profiliert sich auch immer stärker die Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern. Konzerte, Lesungen und die Gesprächsreihe mit Knut Terjung finden ein immer größeres Publikum.

Die jüngste der fünf Hamburger Hauptkirchen wurde 1959 errichtet und stellt mit den Grindelhochhäusern eine der herausragenden Nachkriegsarchitekturen der Stadt dar. Nachdem St. Nikolai in der Innenstadt im Weltkrieg ausgebombt wurde und heute noch als Mahnmal zu besichtigen ist, verlegte man die Kirche an den Klosterstern. Sie besticht durch Ihre einfachen schlanken und sachlichen Formen, hochwertige Materialien sowie die Verwendung des ursprünglich für die neugotische Kirche in der Innenstadt gedachten Kirchenfensters. Auch das Altarbild von Oskar Kokoschka zählt nur zu einem der zahlreichen kulturell bedeutenden Gegenstände der Kirche.

Harvestehude ist mit viel Wasser, klassisch luxuriöser bis wegweisend moderner Architektur sowie einer reichen kulturellen Szene gesegnet. Ein wunderbarer Ort zum Leben, Entdecken und Entspannen. Und wem das alles nicht reicht, jeden Dienstag und Freitag kann man dem wohl schönsten Wochenmarkt Hamburgs einen Besuch abstatten: der Isemarkt unter dem Hochbahnviadukt in der Isestraße ist einer der Hotspots schlechthin.

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