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Wie Hamburg erwachsen wurde – der Weg zum heutigen Stadtbild

27 Nov

Die Stadtentwicklung von Hamburg war, wie bei vielen Städten in Europa, jahrhundertelang auf den innerstädtischen Bereich beschränkt. Was wir heute als Innenstadt oder Altstadt verstehen war bis in das 19. Jahrhundert in Hamburg der einzige Bereich in dem sich Wohnbebauung befinden durfte. Die Stadt war noch bis weit in dieses Jahrhundert durch die Festungsanlagen umgeben, die man heute noch bei einem Spaziergang durch Planten un Blomen stellenweise besichtigen kann.

Die Stadttore bleiben geschlossen – die Gängeviertel entstehen

Die Stadttore wurden nachts geschlossen. Wer also nicht vor den Toren der Stadt schlafen wollte, musste rechtzeitig vor der berüchtigten Torsperre zurück sein. Dies führte dazu, dass die durch die Industrialisierung immer weiter steigenden Einwohnerzahlen in Hamburg nicht auf neue Baugebiete oder Stadtteile verteilt werden konnten. So wurde in der heutigen Hamburger Innenstadt förmlich jeder freie Raum ausgenutzt um die Bevölkerung noch unterbringen zu können. Die berüchtigten Hamburger Gängeviertel, in die manchmal kaum ein Lichtstrahl drang, entwickelten sich. Dass dies ein idealer Nährboden für Krankheiten aber auch für Brände war, liegt auf der Hand.

Der Große Brand von 1842, der einen Großteil der Stadt zerstörte ist auch auf die enge, lückenlose Bebauung der Stadt zurückzuführen. Krankheiten und unhygienische Umstände in der Altstadt waren völlig normale Lebensgrundlage geworden.

Raus aus der Stadt – aber nur mit vollem Portemonnaie

Um diesem Zustand zu entkommen bauten wohlhabende Hamburger Ihre Landhäuser in den Gebieten außerhalb der Enge der Stadt. Rund um die bereits länger existierenden Dörfer im Hamburger Umland wie Winterhude, Othmarschen und Eppendorf entstanden prachtvolle und ausladende Villenanwesen. Die wohlhabenden Hamburger konnten der drückenden und gefährlichen Enge der Stadt so schon früh entkommen. Das beschränkte sich aber auf eine sehr kleine Minderheit der Oberschicht, die sich diesen Luxus leisten konnte. Zahlreiche dieser Villen stehen noch heute und machen zum großen Teil den Charme dieser Stadteile aus.

Für den Großteil der Ober- und Mittelschicht der Gesellschaft war ein Auszug aus der Altstadt jedoch durch die Torsperre immer noch nicht möglich. Bauen vor den Festungswällen war aus militärischen Gründen nicht gestattet.

Der Startschuss zur Stadtentwicklung – die Festungswälle fallen

Erst nach und nach, befeuert durch den Stadtbrand von 1842, fand ein Umdenken im Senat statt. 1860 wurde schließlich der lange benötigte Beschluss gefasst die Torsperre aufzuheben und das Hamburger Umland für die Bebauung freizugeben. Die Festungsanlagen, die aufgrund der modernen Kriegsführung ausgedient hatten wurden abgerissen und die Entwicklung vor den Toren der Stadt nahm seinen Lauf.

Nachdem die Gebiete von St.Pauli über Harvestehude bis zur Uhlenhorst aufgeteilt und infrastrukturell erschlossen wurden, begann man schnell mit der Bebauung. Diese Zeit fällt mit der Hochindustrialisierung in Deutschland (ca. 1870-1914) zusammen. Die Landbevölkerung drängte in die Innenstädte, da hier Arbeit zu finden war. Durch den Bauboom der Gründerzeit entwickelte sich das Hamburger Umland in atemberaubendem Tempo. Überall wurden mehrstöckige Mehrfamilienhäuser errichtet, die schnell ganze Stadtteile formten und einen Gürtel aus Neubauten um die Hamburger Altstadt legten. Harvestehude, Uhlenhorst oder Eppendorf sind heute noch weitestgehend so erhalten, wie zu dem Erbauungszeitraum Ende des 19. Jahrhunderts und stellen nach wie vor mit die beliebtesten Wohnquartiere der Hamburger dar.

Und was passiert mit der Altstadt?

Dass die Altstadt, in der hauptsächlich noch die Unterschicht und Arbeiter wohnten, heute bis auf wenige Ausnahmen quasi unbewohnt ist, lässt sich auf zwei große Entscheidungen in der Stadtentwicklung zurückführen. Die Erbauung der Hamburger Speicherstadt (1884) und Errichtung des Kontorhausviertels (1920er). Durch diese Maßnahmen wurden mehrere zehntausend Menschen aus der Innenstadt in neu geschaffene Gebiete wie Veddel, Barmbek oder Hammerbrook zwangsumgesiedelt, die vorher weiterhin in den hygienisch unhaltbaren Lebensumständen der Gängeviertel gewohnt hatten.

Die Entvölkerung der Innenstadt und die Neuerrichtung der neuen Wohnquartiere der gesellschaftlichen Schichten dauerte im Wesentlichen von 1860 bis in die 1920er Jahre und prägt noch heute das städtebauliche Bild von Hamburg.

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